Montag, 8. Februar 2021

Montagsfrage #45: Andere Kulturkreise



Liest du auch Bücher, die in einem anderen Kulturkreis spielen als deinem eigenen (Fantasy & SciFi nicht mitgezählt)?


Also wenn man die Fantasybücher weglässt, ist meine Auswahl an Büchern überhaupt, die ich gelesen habe, ja doch sehr überschaubar. Autoren, die nicht aus dem deutschen, englischen oder US-amerikanischen Kulturkreis stammen (denn die hat schließlich so gut wie jeder im Regal) und von denen ich auch weiß, wo sie herstammen, kann ich an einer Hand abzählen.
Nur kurz zur Erklärung: Als Kulturkreis versteht man einen durch gleiche oder ähnliche Wertvorstellungen, soziale Normen, Sitten und Gebräuche charakterisierten Bereich, z.B. der europäische oder arabische Kulturkreis.
Im Moment fallen mir nur 3 Autor*innen ein, die nicht aus diesem Kulturkreis stammen und kein Fantasy geschrieben haben. Zuerst einmal wäre da Markus Zusak, der aus Australien stammt. Allerdings spielt sein Buch "Die Bücherdiebin" - übrigens eine riesen Empfehlung von mir, ebenso wie die anderen beiden Bücher, die ich gleich noch nennen werde - auch in Deutschland, deshalb ist das nicht wirklich ein anderer Kulturkreis.
Der einzige andere Kulturkreis, über den ich ein bisschen was gelesen habe, ist der "fernöstliche" Kulturkreis. Hier habe ich die beiden Biografien "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai und "Ich bin eure Stimme" von Nadia Murad gelesen. Malala setzt sich für das Recht auf Bildung für Mädchen ein, speziell in ihrem Heimatland Pakistan, wo dies durch die Taliban verboten wurde. Nach einem Anschlag, den sie nur knapp überlebte, musste sie mit ihrer Familie fliehen, erlangte aber auch internationales Auf- und Ansehen. Nadia hingegen erzählt vom traurigen Schicksal vieler Jesidinnen, das sie teilt, vom IS versklavt worden zu sein und von ihrem schwierigen Weg in die Freiheit. Übrigens sind beide Friedensnobelpreisträgerinnen, Ich finde, jeder sollte diese Bücher gelesen haben, deshalb werde ich sie euch hier einfügen.

Am 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Wie durch ein Wunder kommt Malala mit dem Leben davon. Als im Herbst 2013 ihr Buch "Ich bin Malala" erscheint, ist die Resonanz enorm: Weltweit wird über ihr Schicksal berichtet. Im Juli 2013 hält sie eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen. Barack Obama empfängt sie im Weißen Haus, und im Dezember erhält sie den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, verliehen vom Europäischen Parlament. Malala Yousafzai lebt heute mit ihrer Familie in England, wo sie wieder zur Schule geht.

Am 3. August 2014 endet das Leben, wie Nadia Murad es kannte. Truppen des IS überfallen ihr jesidisches Dorf Kocho im Norden Iraks. Sie töten die Älteren und verschleppen die Jüngeren. Kleine Jungen sollen als Soldaten ausgebildet werden. Die Mädchen werden verschleppt und als Sklavinnen verkauft. An diesem Tag verliert Nadia Murad 44 Angehörige. Für sie beginnt ein beispielloses Martyrium: Drei Monate ist sie in der Gewalt des IS, wird Opfer von Demütigung, Folter, Vergewaltigung. Nur mit Glück und unvorstellbarem Mut gelingt ihr die Flucht vor ihren Peinigern. Sie schafft es in ein Flüchtlingslager und kommt von dort aus nach Deutschland.
Tausende andere junge Frauen befinden sich bis heute in der Gewalt des IS. Deren Stimme zu sein und sie zu befreien hat Nadia Murad sich zur Aufgabe gemacht. Heute kämpft sie dafür, dass das Verbrechen des IS als Völkermord anerkannt wird und die Verantwortlichen vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden.
Die Vereinten Nationen ernannten Nadia Murad zur Sonderbotschafterin, darüber hinaus wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert und mit dem Vaclav-Havel-Preises für Menschenrecht ausgezeichnet. Nun erzählt sie ihre bewegende Geschichte. 

Ansonsten sieht es, was internationale Kulturkreise angeht, in meinem Nicht-Fantasy-Bücherregal eher mau aus. Wobei ich hinzufügen möchte, dass auch Fantasyromane in verschiedenen Kulturkreisen spielen können, sei es russisch ("Der Bär und die Nachtigall", "Die Schattenflüsterin", "Grischa"), afrikanisch ("Die Göttinen von Otera", "Children of Blood and Bone") oder Arabisch ("Amani", "Die Gefangene von Golvahar"). Aber das ist ein anderes Thema.

Und wie sieht es bei euch aus? Ist euer Bücherregal etwas internationaler aufgestellt als meines? Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Hier geht es zum Mutterschiff bei Lauter&Leise. Bis zum nächsten Mal und vergesst nicht: Lest schön!
Eure Shannon

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