Donnerstag, 15. April 2021

Montagsfrage #48: Ostermontagsfrage


Mit welchem Buch kann man dieses Jahr auf einen literarischen Osterausflug gehen, ohne das Haus verlassen zu müssen?

Da kann ich so ziemlich jedes Buch in meinem Regal nennen. Denn in fast jedem geht es entweder um einen Ort, an dem ich nicht lebe (besonders bei High-Fantasy) und/oder um eine Reise. Passend zu Ostern habe ich euch einige meiner liebsten literarischen Reiseziele herausgesucht.

Als erstes ist mir direkt "Offene See" von Benjamin Myers eingefallen. Es entführt nicht nur an die Südküste Englands, sondern auch in die 1940er nach dem Krieg. Für mich war es das Sommerbuch des letzten Jahres. Gerade durch die Atmosphäre war es eine wundervolle Reise für mich.

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.

Die Spiegelwelt in "Reckless" von Cornelia Funke ist zwar - meines Erachtens - etwas düster, aber sie ist doch auch sehr märchenhaft und voller Wunder. Es wurden so viele verschiedene Märchen eingearbeitet, das für jeden etwas dabei ist. Gerade durch die vielen verschiedenen Elemente ist die Spiegelwelt auf jeden Fall eine Reise wert.


Jahrelang ist es Jacob Reckless gelungen, im Zimmer seines verschwundenen Vaters unbeobachtet die Hand auf den Spiegel zu legen und so ins märchenhafte Reich dahinter zu gelangen. Dort hat er als erfolgreicher Schatzjäger unter anderem im Dienst der Kaiserin gearbeitet, ist dem Schuh von Aschenputtel ebenso hinterher gejagt wie dem Tischlein deck dich, dem Knüppel aus dem Sack oder dem Goldenen Ball, der jeden in sich hineinzuziehen vermag, der ihn berührt. Und er hat erfahren, dass sein Vater mit seinen Erfindungen den grausamen Goyls bei ihrem Kampf gegen die Menschen geholfen hat: jenen seelenlosen Wesen also, deren Haut (und Herz) aus Stein besteht.
Jetzt aber ist Jacobs jüngerer Bruder Will dem Schatzjäger ins geheimnisvolle Reich hinter dem Spiegel gefolgt – und gerät dadurch in tödliche Gefahr. Plötzlich droht er selbst zu einem Goyl zu werden: mit einer Haut aus Jade. Der Jade-Menschengoyl aber soll mit einer ungeheueren Macht ausgestattet sein, die sich der Goyl-Herrscher Kami’en zunutze machen könnte, um endgültig über die Menschen zu siegen. So jedenfalls hat es die Dunkle Fee erträumt, die an der Seite Kami’ens herrscht. Und während Jacob mit Wills Freundin Clara und der Gestaltenwandlerin Fuchs verzweifelt versucht, den Verfall von Wills fleischlicher Haut in Jade aufzuhalten, ist Will längst als Leibwächter des Goyl-Königs eingeplant. Eine unerbittliche Jagd gegen die Zeit beginnt, die Jacob kaum gewinnen kann...

Gerade die Welt aus "Lady Trents Memoiren" von Marie Brennan übt auf mich auch einen sehr großen Reiz aus. Abgesehen davon, dass man durch ihre Reisen sehr viel von dieser Welt zu sehen bekommt, empfinde ich sie auch sehr detailreich. Und natürlich die Drachen und das sie Drachenforscherin ist, das ist für mich natürlich auch einer der Hauptfaktoren, warum ich diese Reihe so liebe.


Lady Trent ist die herausragendste und erfolgreichste Drachenforscherin der Welt. Voller Detailreichtum, Humor und der Abgeklärtheit des Alters berichtet sie aus ihren jüngeren Tagen, da sie ein Mädchen war - vernarrt in Bücher und lernbegierig. Sie trotzte den erstickenden Konventionen ihrer Zeit und setzte ihren guten Ruf, ihre Zukunft und ihre zarte Haut aufs Spiel, um ihre wissenschaftliche Neugier zu befriedigen.
Nun endlich liegt die wahre Geschichte dieser beispiellosen Pionierin vor. In ihren eigenen Worten berichtet Lady Trent über ihre aufregende Expedition in die Berge von Vystrana, wo sie die erste von vielen historischen Entdeckungen machte, die sie und die Welt für immer verändern sollten.

"Land aus Nebel und Licht" ist ein Bildband von Gunnar Kunz, der erst kürzlich im Drachenmondverlag erschienen ist. Entsprechend dem Untertitel befindet man sich darin "Auf der Suche nach dem schottischen Herzschlag" und ich finde, genau diesen fängt das Buch wunderbar ein. Zumal ich die britischen Inseln sowieso liebe. Wenn man schon nicht wirklich von zu Hause weg kann, finde ich, ist doch gerade ein Bildband eine wundervolle Möglichkeit, literarisch zu verreisen.

Ein Reisebildband? Ja, denn Magie gibt es auch da jede Menge …
Ob in den Bergen von Skye, zwischen den Steinkreisen auf Lewis und Orkney oder in den Hochmooren der Highlands – Schottland ist ein Land der Magie. Abseits der Touristenpfade – manchmal auch mittendrin –, aber immer mit persönlichem Blick nähert sich Gunnar Kunz seiner „zweiten Heimat“ und fängt in Wort und Bild die Schönheit der schottischen Landschaft ein.
Er erzählt von bizarren Burgen und Feentümpeln, von zweieinhalb Milliarden Jahre alten Felsen und einer Telefonzelle neben einem Wasserfall, von fahrbaren Kinos und gälischen Tanzabenden, von Schweinen in Ruinen und Schafen im Nebel. Von Orten, randvoll mit Geschichte und Geschichten, Orten, die das Herz zum Klopfen bringen.
Ganz nebenbei erfährt man etwas über island-hopping, das Glen Coe-Massaker und das Backen von Scones. Über eine ungemütliche Nacht in einer Kirche, warum einen Buspläne in den Wahnsinn treiben können und was der schottische Dialekt mit einem Kuss zu tun hat. Wie eine Dudelsackkapelle einem Sturm trotzt, welches Wunder Kriegsgefangene mithilfe ihrer Lebensmittelrationen erschaffen haben und warum man beim Genuss von Porridge zum Atheisten werden kann. Mit einem Wort: Man erfährt, wo Schottlands Herz zu finden ist.

Vielleicht nicht gerade das typische Reiseziel, aber auch "Ich bin Malala" von Malala Yousafzai ist für mich eine unheimlich schönes Reise. Das hat allerdings weniger mit der Geschichte an sich zu tun, sondern viel mehr damit, dass ich sie auf Madeira gelesen habe, und das Buch nur ansehen brauche, um mich an diese wundervolle Reise zu erinnern. Direkt danach und auch auf Madeira habe ich übrigens Hamlet von William Shakespeare gelesen.

Am 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Wie durch ein Wunder kommt Malala mit dem Leben davon. Als im Herbst 2013 ihr Buch "Ich bin Malala" erscheint, ist die Resonanz enorm: Weltweit wird über ihr Schicksal berichtet. Im Juli 2013 hält sie eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen. Barack Obama empfängt sie im Weißen Haus, und im Dezember erhält sie den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, verliehen vom Europäischen Parlament. Malala Yousafzai lebt heute mit ihrer Familie in England, wo sie wieder zur Schule geht.

Damit verabschiede ich mich auch schon wieder von euch. Ich hoffe, euch hat meine kleine Osterreise gefallen. Welche der gezeigten Bücher kennt ihr, welche haben euch besonders gut gefallen, welche habt ihr heute vielleicht neu entdeckt? Was sind eure liebsten Reiseziele? Schreibt es mir gerne in die Kommentare. Hier geht es zum Mutterschiff bei Lauter&Leise. Bis zum nächsten Mal und vergesst nicht: Lest schön!
Eure Shannon

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